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Story² - Kapitel II

„Üääh!“ Dieser komische Laut war dem Mund ihres kleinen Bruders entsprungen, der eine seltsam orangefarbene Matsche von seinem Löffel zurück in die Schüssel fallen lies.
Suse seufzte. Soeben hatte ihre Mutter ihnen ihr heutiges Frühstück vorgesetzt.
„Ähm, Ma, was soll das eigentlich sein?“, fragte Suse ihre Mutter ein wenig verwirrt, während diese schwer beschäftigt vor der geöffneten Spülmaschine kniete.
„Oh, dieses Mistteil, immer muss es dann kaputt sein, wenn man's braucht“, zischte diese durch die Zähne, offenbar hatte sie nicht gemerkt, dass ihre Tochter sie etwas gefragt hatte. „Diesmal hol' ich aber jemand anderen, der das Ding repariert...“
Suse konnte sich nur zu gut an dieses letzte Mal erinnern. Ihr Vater hatte sich selbst an der Reparatur versucht, war aber kläglich gescheitert. Das Ergebnis war eine überflutete Küche gewesen, woraufhin nicht nur der Klempner, sondern auch noch der Elektriker hatte kommen müssen.
Während ihr kleiner Bruder immer noch damit beschäftigt war sein Frühstück aus größtmöglicher Höhe in die Schüssel klatschen zu lassen, machte Suse einen erneuten Versuch von ihrer Mutter zu erfahren, was dieses Frühstück überhaupt darstellen sollte.
„Mama, ich hab dich gefragt, was das für ein Zeug hier ist!“ Ihre Mutter legte die Zange bei Seite, mit der sie gerade versucht hatte eine starrsinnige Schraube zu lösen, und stand auf.
„Das“, sagte sie und strahlte jetzt, regelrecht Angst einflößend, wie es Suse schien, über das ganze Gesicht, „ist vitaminangereicherter Haferbrei mit geriebenen Möhren, natürlich alles aus rein ökologischem Anbau...ach Johannes, hör doch endlich mal auf dich zu benehmen wie ein Kleinkind!“, fügte sie noch hinzu und wandte sich erneut der kaputten Spülmaschine zu.
Unglaublich, dachte Suse angewidert, als sie mit ihrem Löffel die dickflüssige Masse in ihrer Schüssel umrührte. Im Wohnzimmer klingelte das Telefon.
„Auch das noch“, flüsterte ihre Mutter genervt, warf Lappen und Schraubenzieher ins Spülbecken und rauschte aus der Küche. Gedämpft konnten ihre Kinder das Gespräch mitverfolgen.
„Ja... aber brauchst du das gerade jetzt? Kann ich das denn nicht später machen?“ Schweigen. „Ich versteh' schon... ich beeil' mich... bis gleich.“
Suse konnte hören, wie ihre Mutter den Hörer lautstark auflegte, wohl ziemlich wütend, über den Verlauf des eben geführten Unterhaltung. Ihre Mutter kam zurück in die Küche marschiert, sogar ohne sich darüber zu empören, dass keines ihrer Kinder auch nur einen Löffel ihres eigenwilligen Frühstücks angerührt hatte.
„Oh Mann, muss ich denn jedem hier alles nachtragen? Ich bin gleich wieder da, ich muss nur schnell eurem Vater sein Arbeitsmaterial ins Büro bringen, er hat's schon wieder auf seinem Schreibtisch liegen lassen“, sagte sie und schnappte sich den Autoschlüssel von der Anrichte. „Als ob es nicht schon reicht, dass er überhaupt heute arbeiten muss...“
Johannes warf Suse einen verstohlenen Blick zu und grinste. Kaum, dass die Haustür ins Schloss gefallen war, sprangen beide wie vom Blitz getroffen auf und spurteten ungestüm Richtung Kühlschrank, nicht ohne dabei einen der Küchenstühle umzuwerfen, der unglücklicherweise den gerade hereingekommenen rotgetigerten Kater nur haarscharf verfehlte.Laut schreiend verließ dieser fluchtartig wieder die Küche, auf so eine Begrüßung hatte er sich wahrlich nicht eingestellt gehabt, als Johannes plötzlich lachend „Erster!“ brüllte. Suse drängte sich an ihm vorbei, als er die Kühlschranktür öffnete, stockte aber auf einmal.
„Was ist denn?“, wollte Johannes wissen, während seine Schwester begann unruhig alle möglichen Dinge im Kühlschrank herumzuschieben.
„Er ist weg!“, rief sie ungläubig und knallte die Tür wieder zu.
„Soll das heißen, sie hat unseren Schokopudding einfach so weggeschmissen?“, fragte Johannes verärgert.
„Nein, das soll heißen sie hat alles, wo nicht Bio draufsteht...“ Suse wurde von einem Schlüssel in der Haustür unterbrochen. Im nächsten Moment kam die Stimme ihrer Mutter aus dem Flur, offenbar hatte sie selbst etwas liegen gelassen.
„Ach, und Susanne, bevor ich's noch vergesse. Wenn du Lust hast, kannst du Isabell fragen, ob sie nicht heute nacht hier schlafen will. Papa, Johannes und ich fahren später noch zu Steffan, er kommt mit der Kleinen nicht so ganz klar!“
„Na toll“, stöhnte Suses kleiner Bruder, als die Haustür erneut zufiel.

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